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Sensorische Integration bei Säuglingen und Babies

Aktualisiert: 22. Nov.

Mustter mit Baby im Tragetuch auf einer Schaukel
Säuglinge leben mit allen Sinnen

Jeder Säugling kommt mit acht Sinnessystemen auf die Welt, die ihn über seinen eigenen Körper und die Umwelt informieren. Wenn wir verstehen, wie ein Baby Sinneseindrücke wie laute Geräusche oder Bewegung wahrnimmt und darauf reagiert, können wir dafür sorgen, dass es sich beim Spielen und Lernen wohl fühlt.

 

Es ist zu beachten, dass sich jedes Kind in seinem eigenen Tempo entwickelt und dass das in einer bestimmten Bandbreite ganz normal ist. Wir alle - also auch Säuglinge - fühlen uns nicht jeden Tag gleich wohl, wach und freudig aktiv. manchmal tut uns etwas weh, wir sind müde oder kränklich. Oder es war zu viel los und wir sind gestresst und überfordert. Frühgeborene  durchlaufen Entwicklungsphasen vielleicht etwas später als ein termingerecht geborenes, normal entwickeltes Baby.

 

Grundsätzlich gilt sowohl für Eltern als auch für Therapeut:innen: Sieh das Verhalten des Babys als seinen Weg zu kommunizieren. Es sagt uns damit, ob es sich wohl fühlt oder ob es etwas braucht, damit es sich wohl und sicher fühlt.


TIPP

Wenn du als Ergotherapeut:in mit Babys zu tun hast, empfehlen wir dir den speziellen Baby-Workshop mit Susanne Smith Roley, den das SI-SeminarInstitut 2026 oder 2027 wieder anbieten wird! Von Susanne hast du ja in diesem Blogbeitrag einige Zitate gefunden! Während der Blog nur auf normal entwickelte Kinder eingeht, lernst du in Susannes Seminar etwas zu sensorischen Integrationsstörungen im Säuglingsalter, den 4 Grundtypen und dem Behandlungsansatz.



Unsere acht Sinne

Du wunderst dich jetzt vielleicht, weil wir hier von 8 Sinnen sprechen, während du in der Schule von den 5 Sinnen gelernt hast und im Rahmen der SI meist von 7 Sinnen die Rede ist. Dies stammt daher, weil unser Organsinn, die Interozeption, bis vor kurzem kaum als eigenes Sinnessystem mit Relevanz für die SI beachtet wurde. Seit einigen Jahren wird der Interozeption als eigenes Sinnessystem mit tatsächlicher Bedeutung für die SI mehr Bedeutung zugemessen.  

 

Für Babys sind die Nah- oder Körpersinne Berührungssinn (taktil), Gleichgewichtssinn (vestibulär) und Kraft- und Bewegungssinn oder Muskelsinn (Propriozeption) besonders wichtig. Über diese Sinne erleben sie Nähe und Geborgenheit, Wohlbefinden, aber auch Schmerzen und Unbehagen, und sie können dank der Sinnesinformationen mit der Umwelt interagieren. Ja, schon ein paar Tage nach der Geburt versuchen Säuglinge, die Bezugsperson zu imitieren, und beginnen zu lächeln oder halten inne, wenn eine vertraute Person mit ihnen spricht.  Doch die Interaktion bezieht sich nicht nur auf Personen, sondern auch mit der dinglichen Umwelt kann das Baby interagieren. dank seiner Sinnesinformationen interagieren: Es zupft an der Decke oder berührt das Mobile und freut sich über den Effekt.  Dabei verarbeitet es Sinnesinformationen von seinem Körper und der Umwelt und nutzt sie für seine Aktion, um zu verstehen, was da passiert und was es selbst bewirkt - es kann seine Umgebung beeinflussen! Dies ist der Ausgangspunkt für willentliches, anpassendes Verhalten und die Entwicklung der Selbstwirksamkeit.



Die Nahsinne

Das taktile System liefert uns über die Haut Informationen, über wo wir berührt wurden, wie stark die Berührung war, ob die Berührung eine Bedrohung sein könnte und über die Form, Größe, Oberfläche und Temperatur von Objekten. Sanfte Berührungen wirken auf die meisten Säuglinge beruhigend, während Kitzeln alarmierend ist.



Das vestibuläre System liefert dem Gehirn Informationen darüber, wo sich unser Kopf im Verhältnis zur Schwerkraft befindet, und über die Geschwindigkeit und Richtung von Bewegungen. Langsames Wiegen wirkt meist beruhigend und ist eine gute Strategie zum Einschlafen, die in Kinderwiegen und Hängematten genutzt wird. Beim Herumtanzen hingegen, wenn wir es hochheben und fliegen lassen,  wird das Baby wach, aufmerksam und richtet sich auf. 



Das propriozeptive System liefert Informationen, wie stark die Muskeln aktiviert sind und in welcher Stellung sich Gelenke befinden. Es sagt uns also etwas über unsere Körperposition, unsere Bewegungen und wie viel Kraftanstrengung wir einsetzen. Wir müssen z. B. nicht hinsehen, um zu wissen, dass wir die Beine übereinander schlagen. Wenn das Ungeborene im Mutterleib gegen die Uteruswand getreten hat, hat es mit dieser Bewegung gegen Widerstand seinen propriozeptiven Sinn genährt. Auch wenn das Kind dann auf der Welt ist, braucht es Widerstand und eine Umrandung. Deshalb gibt es Utensilien, um jungen Säuglingen ein "Nest" zu bauen oder Badeeimer.



Ein weiterer Nahsinn ist der Geschmackssinn. Er arbeitet mit dem Geruchssinn zusammen, um uns vor verdorbener und unbekömmlicher Nahrung zu schützen und um zu erkennen, welche Lebensmittel gut und welche schlecht schmecken. Der Geruchssinn ist ein Mittelding zwischen Nah- und Fernsinn. Er ist bei  Säuglingen schon gut entwickelt und für Säuglinge im Vergleich zu uns Erwachsenen sehr wichtig. Neugeborene erkennen bereits nach wenigen Tagen ihre Mutter am Geruch.

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