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Kinder durch die SI-Brille neu verstehen: Die Bedeutung der Nahsinne für den schulischen Erfolg

Aktualisiert: 22. Nov. 2025

Sehen und Hören sind nicht die einzigen Sinne, die in der Schule wichtig sind. Damit Kinder erfolgreich lernen und teilnehmen können, ist die gute Funktion der Nahsinne – des Gleichgewichtssinnes (vestibulär), des Berührungssinnes (taktil) und des Kraft- und Bewegungssinnes (propriozeptiv) eine Voraussetzung. Sie sind die Bausteine der kindlichen Entwicklung hin zur Schulreife.


Dr. Jean Ayres hat in ihrer Theorie der Sensorischen Integration bereits vor 50 Jahren aufgezeigt, welche wichtige Rolle die Nahsinne spielen. Diese Sinne arbeiten meist unbewusst und automatisch im Hintergrund. Sie bestimmen unsere Emotionen, unser Verhalten und unser Lernen (Ayres 1972). Sie legen die notwendigen Grundlagen – von Wachheit, Regulation und Aufmerksamkeit über motorische Kontrolle bis zum Integrieren komplexer Informationen zu einem kohärenten Ganzen.



Die Rolle der Nahsinne im Schulalltag


Sind die Nahsinne für Babys und Kleinkinder noch die wichtigsten Sinne, über die sie ihren Körper und die Welt um sich erfahren, treten im Schulalter die Fernsinne Sehen und Hören mehr in den Vordergrund. Allerdings bauen sie auf den Grundlagen auf, die die Nahsinne bereitstellen. Sie sind maßgeblich dafür verantwortlich, wie motiviert und aufmerksam ein Kind ist. Auch wie leicht es sich tut, schreiben zu lernen, ob es seine Dinge in Ordnung halten kann und welche Freunde und Sportarten es bevorzugen wird – und für noch viel mehr.


Kinder, die "irgendwie anders" sind, hören oft: „Du musst dich nur mehr bemühen, dann geht es schon.“ Doch in Wahrheit strengen sich diese Kinder oft mehr an als andere – und trotzdem stoßen sie an Grenzen.


Ein Blick durch die sensorische Brille zeigt: Viele schulischen Probleme haben ihre Wurzeln in der Art und Weise, wie Kinder Sinnesreize verarbeiten, integrieren und nutzen. Schauen wir uns die einzelnen Sinne im Detail an.


Die SI-Brille, ein Symbol für die sensorische Perspektive
Die SI-Brille, ein Symbol für die sensorische Perspektive


Der Gleichgewichtssinn – Basis für Aufmerksamkeit, Haltung, Koordination und Raumorientierung


Der vestibuläre Sinn entwickelt sich bereits ganz früh im Mutterleib. Er legt durch seine Verknüpfungen die Grundlage für die Leistungsfähigkeit des Gehirns: das Neuronennetzwerk, verknüpft durch unzählige Synapsen.


Funktionen, für die unser Gehirn Gleichgewichtsinformationen braucht:

  • Wachheit: Das aufsteigende retikuläre Aktivierungssystem (RAS) wird durch vestibuläre Signale aktiviert – und damit auch Aufmerksamkeit.

  • Haltung: Aufrichtung gegen die Schwerkraft, Balance und Koordination – insbesondere das Zusammenspiel von beiden Körperseiten.

  • Räumliche Orientierung und räumliches Vorstellungsvermögen.

  • Dynamische Bewegungsplanung: Immer dann, wenn Tempo und Bewegung im Raum mitspielen, z.B. im Straßenverkehr oder bei Ballspielen.


Während der Fokus im Zusammenhang mit Schule oft auf dem Stillsitzen und der Aufmerksamkeit liegt, sind alle der oben genannten Funktionen ebenso wichtig für schulischen Erfolg und Lernen.


Zu welchen Problemen in der Schule führen vestibuläre Störungen?

Was sind die sichtbaren Folgen, wenn der Gleichgewichtssinn nicht gut arbeitet und das Gehirn nicht ausreichend genaue, klare vestibuläre Informationen erhält?


Das Kind:

  • schläft im Unterricht ein.

  • kann nicht für längere Zeit aufrecht sitzen, sondern hängt am Stuhl, liegt am Tisch oder stützt seinen Kopf auf die Hände.

  • fällt vom Stuhl.

  • ist unruhig, kann nicht sitzen bleiben, muss sich ständig bewegen, kippelt mit dem Stuhl.

  • dreht das Blatt, statt über die Körpermitte zu arbeiten.

  • tut sich schwer, Linien zu kreuzen, v.a. Diagonalen.

  • hat keine gefestigte Schreibhand – ist ein Beidhänder (und das ist nicht gut! Lies mehr dazu im Blogpost zur Beidhändigkeit!) und wechselt den Stift zwischen den Händen.

  • kommt mit dem Zeilenanfang durcheinander, schreibt in Spiegelschrift.

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