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Von „SI“ zu „ASI“: Warum die Unterscheidung wichtig ist

Aktualisiert: 22. Nov.

Früher wurde der Begriff „Sensorische Integration (SI)“ oft unspezifisch verwendet. Heute ist klar: nicht alles, was als Sensorische Integrationstherapie bezeichnet wird, entspricht den Prinzipien, die Dr. A. Jean Ayres entwickelt hat. Um hier Klarheit zu schaffen und vor allem Konsumenten zu schützen, haben Dr Ayres' Nachfahren den Namensschutz für den Begriff „Ayres Sensory Integration® (ASI)“ eintragen lassen. Eltern geben oft viel Geld für eine Therapie aus, von der sie denken, dass es Ayres' Sensorische Integration ist. Bis sich dann herausstellt, dass dies gar nicht der Fall ist, die Therapeut:in nicht einmal eine abgeschlossenen SI-Ausbildung hat, die Befundung nicht den Erfordernissen entsprochen hat, der Raum die Kriterien nicht erfüllt... Die Therapie mag geholfen haben - irgendwo und irgendwie ein bisschen - aber sie war nicht so zielgerichtet und effektiv, schlüssig, replizierbar und evidenzbasiert wie eine Ergotherapie nach dem ASI-Ansatz gewesen wäre, die methodentreu durchgeführt wird.


Der Name "Sensorische Integration" zieht: SI ist der am dritthäufigsten nachgefragte Therapieansatz für Kinder. Viel wollen auf dieser Welle mitreiten, aber ohne die nötigen Vorarbeiten zu leisten, um echte Qualität zu bieten. Hinter dem Namensschutz steht keinerlei finanzielles Interesse, lediglich der Wunsch, die Integrität von Dr Ayres' Lebenswerk zu schützen. ASI ist eine wissenschaftliche Theorie, die bestimmte Behauptungen aufstellt und Vorhersagen über Auswirkungen und Entwicklungen zulässt. Auf der Theorie bauen sowohl die Befundungsinstumente als auch der komplexe, interaktive Therapieansatz auf, dessen spezifische Kernprinzipien in einem eigenen Fidelity Measure (ASIFM) definiert und auch überprüfbar sind.


Mehr zum Hintergrund des Namensschutzes und was unter ASI zu verstehen ist im Artikel „Ayres Sensorische Integration verstehen“ von Smith Roley et al. (2017). (Für Abonnent:innen des Blogs gibt es diesen Artikel auf Deutsch!)



Was ist das ASI Fidelity Measure (ASIFM)?

Das ASIFM ist ein standardisiertes Beobachtungsinstrument, das von Parham et al., 2007, 2011 und Schaaf et al., 2014 entwickelt und validiert wurde. Geschulte Bewerter:innen können damit feststellen, ob eine Intervention tatsächlich den ASI-Prinzipien entspricht. Dies ist besonders in der Wirksamkeitsforschung entscheidend. Jahrzehnte lang haben Studienleiter alle möglichen Dinge, die irgend etwas mit den Sinnen zu tun hatten, unter dem Titel "Überprüfung der Wirksamkeit der SI-Therapie" in einen Topf geworfen. Das Ergebnis war - wenig überraschend aber immer wieder ernüchternd und ein Rückschlag für die SI - immer bestenfalls gemischt. Erst der bahnbrechende Artikel von Jane Case-Smith (2014) traf die klare Unterscheidung in Ergotherapie nach ASI-Ansatz und sensorisch-basierte Interventionen, die wir auch heute noch benutzen. Seit damals hat die Wirksamkeitsforschung eine drastische positive Wendung zugunsten der ASI genommen.

Lesetipp: Valide Aussagen über die Wirksamkeit von ASI können seit 2007 nur Studien machen, die das ASIFM zur Überprüfung der Methodentreue der untersuchten Intervention eingesetzt haben. Wenn du also keine Erwähnung des ASIFM in einem Artikel über eine Wirksamkeitsstudie zu ASI findest, brauchst du dich nicht weiter mit den Ergebnissen beschäftigen. Die Qualität der Studie ist zu schwach, um den Ergebnissen zu vertrauen.


Warum ist die Methodentreue so entscheidend?

Nur wenn die Therapie wirklich nach ASI-Prinzipien durchgeführt wird, ist sie effektiv und wirksam. Mithilfe des ASIFM können wir Studien, die gar nicht wirklich ASI überprüfen, ich nicht an die Kernprinzipien halten, heraus. So entsteht eine belastbare Evidenzbasis, die auch in der Praxis Orientierung gibt.


„Die Einhaltung der Prinzipien von Ayres Sensory Integration®

mittels Fidelity Measure ist der Schlüssel, um die Wirksamkeit der Intervention

zu gewährleisten und wissenschaftlich haltbare Behandlungsergebnisse

zu erzielen.“ - Roseann Schaaf, 2018



Was ist der 8-schrittige Prozess der ASI-Therapie?

Neben der Methodentreue anhand der Kriterien des ASIFM ist die Einhaltung des manualisierten Vorgehens in der Therapie entscheidend, damit eine Intervention von sich behaupten kann, dass sie evidenzbasierte ASI-Therapie ist. Dieser 8-schrittige Prozess wurde von Roseann Schaaf entwickelt und vorgestellt und ist im Manual für die ASI-Therapie publiziert. Der Prozess beschreibt den Start auf der Partizipationsebene, die umfassende Befunderhebung auf der Ebene der Körperfunktionen, die Formulierung von Hypothesen, ob und wie die gefundenen sensorischen Integrationsprobleme die Schwierigkeiten erklären können, die Therapiezielformulierung, die distale und proximale Ergebnismessung, den Therapiebedingungen und schließlich der Durchführung der Therapie. Link zu Schaaf &Mailloux, 2015



Evidenzlage: Was sagt die Forschung?

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