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Warum Pauli nicht isst - und wie das mit seiner Sinnesverarbeitung zusammenhängt

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Ca. 4-jähriger Junge lehrt angebotenes Essen ab
Essensverweigerung hat meist sensorische Ursachen

Paulis Eltern stehen - wie viele andere auch - vor der Herausforderung, dass ihr Fünfjähriger beim Essen wählerisch ist. Jede Mahlzeit wird statt der schönen Familienzeit zu einem Streit über jeden Löffel und jeden Bissen. Pauli isst am liebsten täglich dasselbe, wobei dieses Lieblingsessen periodisch wechselt. Es scheint, als ob er sich nach einiger Zeit davon abgessen hat. Seine Mutter meint, sie könne die Speisen, die Pauli ohne Kampf isst, an einer Hand abzählen.


Die Frage, die sich vielen Eltern von schwierigen Essern stellt: Ist das Kind einfach heikel oder handelt es sich schon um eine  Essstörung? Therapeut:innen wie Ergotherapeut:innen und Logopäd:innen, Kinderärzt:innen und Psycholog:innen sind oft nicht auf dieses Thema spezialisiert und können daher nur allgemeine oder subjektive Einschätzungen und Empfehlungen geben. 


Die Kinderpsychologin Dr. Kay Toomey hat sich jahrzehntelang mit der Frage beschäftigt, wann es sich um eine normale Phase handelt und wann es zu einem ernstzunehmenden und behandlungsbedürftigen Problem wird. Sie hat klare Kriterien entwickelt, wie wir zwischen einem „heiklen Esser“ und einem „problematischen Esser“ unterscheiden können. Und zwar gibt es 4 Faktoren, in denen sich heikle Esser von Kindern mit eine Essstörung unterscheiden:


Anzahl der akzeptierten Lebensmittel:

  • Heikle Esser akzeptieren in der Regel mindestens 30 verschiedene Lebensmittel.

  • Problematische Esser haben ein sehr eingeschränktes Repertoire von weniger als 20 Lebensmitteln.


Umgang mit neuen Lebensmitteln:

  • Heikle Esser tolerieren neue Lebensmittel auf dem Teller und sind oft bereit, sie zumindest zu probieren.

  • Problematische Esser reagieren auf neue Lebensmittel mit starkem Widerstand, wie Weinen oder Verweigerung


Vielfalt an Nährstoffen und Beschaffenheiten:

  • Heikle Esser essen mindestens ein Lebensmittel aus den meisten Nährstoff- und Texturgruppen.

  • Problematische Esser lehnen ganze Kategorien von Lebensmitteln oder Texturen ab.


Dauer des selektiven Essverhaltens:

  • Heikle Esser zeigen dieses Verhalten meist weniger als zwei Jahre.

  • Problematische Esser weisen über einen längeren Zeitraum persistente Essprobleme auf.


Paulis Eltern trafen zu ihrem Glück auf eine Therapeutin, die sich im SOS Approach to Feeding weitergebildet hatte. Sie konnte ihnen dadurch eine klare Antwort geben: Bei genauerer Analyse zeigte sich, dass Pauli ca. 35 verschiedene Lebensmittel/Speisen aß. Sein ablehnendes Verhalten dem Essen gegenüber war auch erst ca. mit 3 1/2 Jahren aufgetreten. Die Therapeutin erklärte den beiden, dass Pauli nach den Kriterien des SOS Approach to Feeding als heikler Esser einzustufen sei – nicht als Kind mit einer Essstörung. Das war für Paulis Eltern eine enorme Erleichterung. 


Weiterführende Ressourcen:


Was der Therapeutin zusätzlich auffiel:

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